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„Nicht Gottesdienst- , aber Studienbibel“ 20.10.2007

Professor Jüngling würdigt die Bibel in gerechter Sprache

BAD CAMBERG. – „Es ist so kein blödes Buch, wie es von mancher Rezensentin und manchem Rezensenten gemacht wird. Es ist keine Gottesdienstbibel – aber es ist eine anregende Studienbibel.“ Das stellte Professor Pater Dr. Hans-Winfried Jüngling SJ von der Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen, Frankfurt am Main, beim jüngsten Forum Bad Camberg fest, zu dem die evangelischen und die katholischen Gemeinden eingeladen hatten. Dabei ging es um die „Bibel in gerechter Sprache“ und um die Frage „Ist Gott Vater oder Mutter?“ Jüngling kritisierte die von den Autoren benutzte Abkürzung „BigS“, die diese Bibel-Ausgabe ohne Not der Lächerlichkeit aussetze. Die Bibel in gerechter Sprache verdiene eine eingehende Würdigung.

Einmal „er“ und einmal „sie“

Gerechte Sprache meine eine Gerechtigkeit, die sich in drei Feldern verwirklichen müsse: geschlechtergerechte Sprache, Gerechtigkeit im Hinblick auf den christlich-jüdischen Dialog und schließlich die Etablierung sozialer Gerechtigkeit. Jüngling bezeichnete die Übersetzung als sorgsam. Die Bibel in gerechter Sprache mühe sich, was die Geschlechter Mann und Frau angehe, wirklich um Gerechtigkeit. Weil Gott nicht männlich und weiblich sei, sei es auslegungsmäßig unbedenklich, einmal „er“ und einmal „sie“ im laufenden Text auf Gott anzuwenden. Das befremde zwar, sei aber durchaus heilsam. Die Übersetzung werde von vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verantwortet. Es seien in der Mehrzahl Frauen, die an der Übersetzung gearbeitet haben.

Gott als Mutter und Vater

„Die Bibel in gerechter Sprache will Gerechtigkeit den Frauen tun, dann aber auch all den anderen Gruppen, die in der geschichtlichen Realität an die Seite gedrängt wurden und werden“, sagte Jüngling. Die Bibel begreife Gott als Mutter und Vater. Die Rede von Gott als Mann und Frau, als Vater und Mutter zugleich sei nicht zu trennen von den Aussagen „Ich bin Gott - keiner sonst“. Jüngling fasste zusammen: „Die erste ausdrückliche Formulierung des Glaubens an einen Gott geht einher mit einer grundsätzlichen Bejahung, Wertschätzung und ... Aufmerksamkeit für die Frau und ihre Einsetzung in ihr Recht.“ Der Glaube an den einen Gott legitimiere nicht das Verdrängen und Unsichtbarmachen der Frau.